Alles rund um die WM 2022 in Katar

  • Amnesty International wird sich nur mit der Frage der Auswirkung eines Boykotts auf die Menschenrechtssituation vor Ort auseinandergesetzt haben. Deren Ergebnis macht mir Bauschmerzen. Es zu beurteilen fällte mir aber schwer.


    Mit Fragen der Fußballkultur aber haben sie sich wohl natürlich überhaupt nicht beschäftigt. Da fällt das Urteil dann meiner Meinung nach deutlich aus.

    Das Fahrrad bedeutet den Tod jeder zivilisierten Gesellschaft.

    Alte weiße Männer werden lernen müssen, mit dem Gendersternchen zu leben.

    Alles andere wäre Spekulation!

  • Einigermaßen "lustig" ist ja auch das Argument von Frau Spöttl, die vermeintlichen Fortschritte in Katar würden mit einem Boykott "um Jahre zurückgeworfen werden".


    Abgesehen davon, dass mir da der Zusammenhang fehlt, denn man könnte solche Fortschritte (welche das auch immer konkret sein sollen) auch ganz ohne WM erzielen und ausbauen, wenn man es ernst damit meint: solche islamischen Länder wie Katar hinken der Aufklärung Jahrhunderte hinterher, da machen die paar Jahre auch nix aus, und die wird man auch nicht in ein paar Jahren aufholen können.

    Doch, machen sie, jede zusätzliche Menschenrechtsverletzung ist und wäre eine zu viel. Es hat m.E. hier, jedenfalls, was diese Facette der Pro-Boykott-Argumentation angeht, einzig und allein um die Frage zu gehen, ob und wie sich ganz konkret eine WM positiv für die Menschen dort auswirkt - und was bei einem Boykott Kontraproduktives entstehen könnte.


    Man muss nicht gleich mit Olympia 1936 ankommen, wahrlich nicht, aber man blicke doch nur auf Olympia oder die WM in Russland, Olympia in China usw. vor wenigen Jahren - ging es da seither wirklich aufwärts in Sachen Menschenrechte trotz aller netter Bilder während der Sportveranstaltungswochen???

    "Wenn die Gesellschaft beschließt, den Fragenden hinzurichten, dann sagt das etwas über die Gesellschaft, aber nicht über die Frage." (D. Brüggemann)

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von Arthur Friedenreich ()

  • Dennoch würde ich mir wünschen, das mal ein Spieler wie Neuer den Mund aufmacht und Klartext zu dieser Katar-WM-Farce redet.

    Meinst Du den Manuel Neuer, der sein pralles Gehalt u.a. indirekt vom Staat Katar bezieht?


    Diese ganzen Vorgänge rund um den Fussmall kann man mittlerweile nur noch mit einem gewissen Zynismus ertragen und begleiten, sofern man sich von dem Business mittlerweile nicht komplett abwendet hat.


    Spielergehälter, Wandervögel, Beratertum, aufgeblähte/unsinnige Turniere, Mäzenatentum, Korruption, Intransparenz, usw..

    Man selbst macht es doch mit indem man dieses System unterstützt und dann empört man sich über diese Auswüchse an Exzessen in der Hoffnung, das doch mal jemand wichtiges/populäres aus dieser Blase aufbegehrt. Gut gemeint und dennoch absurd.

  • Philipp Köster hat in seiner letzten Kolumne in 11 Freunde auch geschrieben, dass ein Boykott der WM eher kontraproduktiv und nur ein letzter Ausweg sei.

    Hmmm, ob er seine Felle sonst wegschwimmen sieht?

    Ich glaube, die wollen schon das eine oder andere Heftchen auch in dem Zeitraum verkaufen.

    Lies mal. Der Artikel ist sehr kritisch.

    Ich gehe mit seiner Meinung auch nicht immer zu 100% konform, aber hier hat er imo recht.

    "Der Niederrheiner weiß gar nichts, kann aber alles erklären..."

    Hanns Dieter Hüsch

  • Hmmm, ob er seine Felle sonst wegschwimmen sieht?

    Ich glaube, die wollen schon das eine oder andere Heftchen auch in dem Zeitraum verkaufen.

    Lies mal. Der Artikel ist sehr kritisch.

    Ich gehe mit seiner Meinung auch nicht immer zu 100% konform, aber hier hat er imo recht.

    Ob die WM in Katar stattfindet oder nicht und ob Deutschland daran teilnimmt oder nicht, das dürfte wirtschaftlich für die 11 Freunde ziemlich irrelevant sein. Abo- und Lesereinbrüche wären eher zu erwarten, wenn die plötzlich anfingen, die WM in ihrem Heft zu feiern.


    Köster sagt ja ganz deutlich, dass er von den großen Fußballnationen, der FIFA, den TV-Sendern und den Sponsoren erwartet, dass diese endlich den Mund aufmachen um tatsächliche Verbesserungen zu erreichen. Um Katar deutlich zu machen, dass ihr Plan nicht aufgeht sich durch die WM in ein besseres Licht zu stellen ohne Reformen, sowohl was ihre Arbeiter betrifft aber auch generell bzgl. Menschenrechten und Rechten Homosexueller.


    Wenn dadurch nichts erreicht wird, sieht er den Boykott als letztem Ausweg.


    Meiner Meinung nach ist die Zeit dafür vorbei und außer einem Boykott sehe ich keinen Ausweg mehr.

  • und der Begriff "rechts" ist noch gar nicht gefallen.

    Übrigens etwas was mir immer wieder auffällt. Und ich will das hier überhaupt nicht in irgendeiner Form werten. Wie oft man liest also ich bin ja auch links. Und ich auch. Ich auch übrigens. Was man hingegen wirklich absolut überhaupt nie liest: Ich bin rechts. Nun tummeln sich in diesem Forum ganz sicher mehr Leute die links als rechts denken, aber komisch ist es trotzdem irgendwo. Aber das nur mal so am Rande eingeworfen.


  • Das meine ich ja gerade mit meinem oben blau markierten Text: die WM wird gar nichts zum Besseren bewirken in Katar, daher kann ein Boykott die erzielten "Fortschritte" - die ja von Frau Spöttl vorsichtshalber auch gar nicht konkret benannt werden - auch nicht um Jahre zurückwerfen. Im Gegenteil hat die WM in einem Maße zu diesen Menschenrechtsverletzungen geführt, das es ohne sie gar nicht erst gegeben hätte. Und die leider auch nicht mehr rückgängig gemacht werden können.


    Frau Spöttl liefert ja auch keinerlei inhaltliche Erklärung dafür, inwiefern und warum ein Boykott zu weiteren Menschenrechtsverletzungen führen würde, die es mit der WM nicht gäbe. Das sind alles nichtssagende Allgemeinplätze, oder um es unfreundlich auszudrücken: dummes Gelaber. Wobei mir die Intention nicht klar ist.

  • AI zu WM in Katar


    Ob Frau Spöttl mehr gesagt hat oder nicht, wissen wir natürlich nicht, es wurde zumindest nicht mehr zitiert.


    AI hegt die Befürchtung, dass durch eine Rücknahme der WM die zugesagten Reformen auch noch zurückgenommen werden.


    AI macht seit Jahren auf die Menschenrechtsverletzungen u.a. in Katar aufmerksam, ohne sie wüssten wir wahrscheinlich weniger davon als wir jetzt wissen. Die es auch ohne WM gäbe, es würde nur keinen interessieren.

  • Amnesty International wird sich nur mit der Frage der Auswirkung eines Boykotts auf die Menschenrechtssituation vor Ort auseinandergesetzt haben. Deren Ergebnis macht mir Bauschmerzen. Es zu beurteilen fällte mir aber schwer.


    Mit Fragen der Fußballkultur aber haben sie sich wohl natürlich überhaupt nicht beschäftigt. Da fällt das Urteil dann meiner Meinung nach deutlich aus.

    Bratwurst mit Bier wirst du da nicht bekommen. Wenn das dein größtes Problem mit Qatar als Ausrichter der WM war, dann gute Nacht.


  • Wenn das die ernsthafte Befürchtung ist und sie zuträfe, wäre das geradezu Erpressung seitens Katar und man wüsste erst recht, mit wem man es hier zu tun hätte. Damit wäre bewiesen, dass die Zusagen zu Reformen keiner echten Erkenntnis und Einsicht entspringen (wovon ich aber eh nie ausgegangen wäre), sondern lediglich "erkauft" wurden.


    Selbst ganz ohne Boykott - und wir reden ja nur über den Boykott einzelner Länder, nicht der WM insgesamt - ist ja nicht gesagt, dass diese Reformen wirklich umgesetzt werden (und wenn doch, von nachhaltiger Dauer wären). Als ob Katar sich von ai Vorschriften machen ließe. Den Burschen traue ich nicht von hier bis zur nächsten Wand.


    Köster sagt ja ganz deutlich, dass er von den großen Fußballnationen, der FIFA, den TV-Sendern und den Sponsoren erwartet, dass diese endlich den Mund aufmachen um tatsächliche Verbesserungen zu erreichen. Um Katar deutlich zu machen, dass ihr Plan nicht aufgeht sich durch die WM in ein besseres Licht zu stellen ohne Reformen, sowohl was ihre Arbeiter betrifft aber auch generell bzgl. Menschenrechten und Rechten Homosexueller.


    Hätte ich jetzt nicht gedacht, dass Köster so ein Träumer ist. Und was die "großen Fußballnationen" betrifft: deshalb ja Boykott z.B. von Deutschland, das ist ja eine Form des "Mund aufmachens". Und in ihrer Außenwirkung sicher eine wirksamere als die Teilnahme.

  • Die Reformen können auch nach der WM zurückgenommen werden, wenn sie nicht mehr im Blickfeld der Welt stehen. Ein Boykott nützt nur was, wenn keine Spitzenmannschaften sich weiterhin mit solchen Geldgebern prostituieren. So lange Rummenigge und Konsorten weiterhin die Lage in Katar relativieren, wird sich nichts ändern.

  • Das ist korrekt. Nur hat der zumindest gut 4-wöchige Fokus auf ein Land eine enorme Strahlkraft gegenüber der Weltgemeinschaft. Jedes Land präsentiert sich und ist für diese Zeit vor allem auch unterbewusst ein Dauerthema. - Für mich das positivste Beispiel die Winterspiele 94 in Lillehammer.

    "Aber eins, aber eins, das bleibt besteh´n!!!
    Fortuna Düsseldorf wird niemals untergeh´n!!!"


    "Fortune favors the brave, fortune favors Fortuna!"

  • Ob diese Reformen erkauft wurden oder nicht, dürfte den Arbeitern ziemlich egal sein. wichtig ist ihnen, ob sie umgesetzt werden.

    Die Reformen können auch nach der WM zurückgenommen werden, wenn sie nicht mehr im Blickfeld der Welt stehen. Ein Boykott nützt nur was, wenn keine Spitzenmannschaften sich weiterhin mit solchen Geldgebern prostituieren. So lange Rummenigge und Konsorten weiterhin die Lage in Katar relativieren, wird sich nichts ändern.

    Das ist korrekt. Nur hat der zumindest gut 4-wöchige Fokus auf ein Land eine enorme Strahlkraft gegenüber der Weltgemeinschaft. Jedes Land präsentiert sich und ist für diese Zeit vor allem auch unterbewusst ein Dauerthema. - Für mich das positivste Beispiel die Winterspiele 94 in Lillehammer.

    Aber genau diese Strahlkraft schlägt ja im Moment ins Gegenteil um. Was ja erstmal gut ist. Ohne die WM würde sich wahrscheinlich kaum einer für die Arbeitsbedingungen in Katar und ähnlichen Ländern interessieren. Katar wollte diese WM ja um sich in gutem Lichte vor der Welt zu präsentieren. Wenn da jetzt ständig -zu Recht- auf die Menschenrechtsverletzungen hingewiesen wird, auf deren Homosexuellengesetze, auf Fragen zur Gleichberechtigung, dann ist das ja erstmal gut.


    Dass es dort keine Fußballkultur gibt, geschenkt, ist mir egal, ich muss da ja nicht mitmachen und mir das anschauen. Dass es dort viel zu heiß ist um Fußball zu spielen, geschenkt, ist das Problem der Spieler, die fahren letztendlich freiwillig mit (und verdienen im Gegensatz zu anderen Sportlern auch ohne WM-Teilnahme gutes Geld). All das sind Gründe dafür, dass die WM dorthin gar nicht erst hätte vergeben werden sollen, ist aber letzlich kein Grund für einen Boykott.


    Aber der Tod von 6500 Menschen auf diesen Baustellen, die allen Lippenbekentnissen zum Trotz zu beklagen sind, das ist einer, denn mittlereile ist es mMn zu spät um noch auf Besserung zu hoffen. Die WM wird ja trotzdem stattfinden, Deutschland ist nicht die Welt, selbst wenn es noch mehrere europ. Verbände gäbe, die sich dem Boykott anschließen, ist die Welt noch groß genug für die WM. Wenn dann Vereine, wie der FC Bayern, wenn sie schon dort trainieren, immer und ausdrückich auf die Missstände im Land hinweisen würden, vielleicht passiert dan irgendwann etwas.


    All dies wird nicht passieren, ich weiß, umso wichtiger finde ich, dass sich Fans und Vereine postionieren. Deswegen bin ich für einen Boykottaufruf von Fortuna Düsseldorf, in der Hoffnung, dass andere Vereine mitziehen und der Protest immer lauter wird. Deswegen bin ich gar nicht so weit weg von der Meinung Kösters, ich finde nur, dass jetzt die Zeit für den letzten Ausweg gekommen ist.

  • Amnesty International wird sich nur mit der Frage der Auswirkung eines Boykotts auf die Menschenrechtssituation vor Ort auseinandergesetzt haben. Deren Ergebnis macht mir Bauschmerzen. Es zu beurteilen fällte mir aber schwer.


    Mit Fragen der Fußballkultur aber haben sie sich wohl natürlich überhaupt nicht beschäftigt. Da fällt das Urteil dann meiner Meinung nach deutlich aus.

    Bratwurst mit Bier wirst du da nicht bekommen. Wenn das dein größtes Problem mit Qatar als Ausrichter der WM war, dann gute Nacht.

    Das ist es nicht.

    1. Ist das für mich nicht, was Fußballkultur ausmacht. Und den größten fußballkulturellen Schaden sehe ich in der scheinbar reinkomerziellen Ausrichtung der FIFA. Bei denen habe ich den Eindruck, dass die sich mit Fußball an sich nicht mehr beschäftigen, als irgendwer bei Amnesty International.

    2. Habe ich ausdrücklich nicht geschrieben, die Menschenrechtssituation in Katar sei mir egal. Meine Aussage, es falle mir schwer das zu beurteilen, bezieht sich auf die Frage, ob ein Boykott der WM für die diesbezügliche Enwicklung einen Rückschritt bedeuten würde.


    Mahlzeit.

    Das Fahrrad bedeutet den Tod jeder zivilisierten Gesellschaft.

    Alte weiße Männer werden lernen müssen, mit dem Gendersternchen zu leben.

    Alles andere wäre Spekulation!

  • Deutschland ist nicht die Welt, selbst wenn es noch mehrere europ. Verbände gäbe, die sich dem Boykott anschließen, ist die Welt noch groß genug für die WM.

    Stimme dir im Großen und Ganzen zu aber Deutschland ist 4facher Weltmeister und wenn z.B. England Italien und Frankreich noch boykottieren würden wäre das, meiner Meinung nach, mehr als eine Momentaufnahme.

  • Wenn das die ernsthafte Befürchtung ist und sie zuträfe, wäre das geradezu Erpressung seitens Katar und man wüsste erst recht, mit wem man es hier zu tun hätte. Damit wäre bewiesen, dass die Zusagen zu Reformen keiner echten Erkenntnis und Einsicht entspringen (wovon ich aber eh nie ausgegangen wäre), sondern lediglich "erkauft" wurden.

    Ob diese Reformen erkauft wurden oder nicht, dürfte den Arbeitern ziemlich egal sein. wichtig ist ihnen, ob sie umgesetzt werden.


    Klingt gut, isses aber nicht. Reformen, die aus eigener Überzeugung heraus beschlossen und umgesetzt werden, das Richtige zu tun, sind nachhaltig. Reformen, die lediglich m.o.w. widerwillig und/oder aus einem Deal heraus ("Wir boykottieren die WM nicht, dafür haltet Ihr Euch an Eure Reformzusagen") gemacht werden, haben keine lange Halbwertzeit.


    Und: Wenn es sich wirklich um bereits erteilte Zusagen handelt, dann hat man sich an sie zu halten, no matter what. Alleine die Befürchtung von ai, im Falle des Boykotts einzelner Länder würde Katar sich nicht an diese halten, zeigt doch schon, dass man den Burschen dort im Grunde auch nicht über den Weg traut.


    Dass es dort keine Fußballkultur gibt, geschenkt, ist mir egal, ich muss da ja nicht mitmachen und mir das anschauen. Dass es dort viel zu heiß ist um Fußball zu spielen, geschenkt, ist das Problem der Spieler, die fahren letztendlich freiwillig mit (und verdienen im Gegensatz zu anderen Sportlern auch ohne WM-Teilnahme gutes Geld). All das sind Gründe dafür, dass die WM dorthin gar nicht erst hätte vergeben werden sollen, ist aber letzlich kein Grund für einen Boykott.


    Finde ich schon, weshalb ich weiter oben schrieb:


    Es gibt einen ganzen Sack von Gründen, diese Witzveranstaltung zu boykottieren. Die Unterstützer eines Boykotts sollten nicht alleine mit den zu Tode gekommenen Gastarbeitern argumentieren.


    Dem Du ja auch zugestimmt hast. ;)


    Ganz ehrlich: ob mit oder ohne WM, ich habe nicht die geringste Hoffnung, dass sich in Ländern wie Katar mit derart sonderbaren Rechtsnormen und Moralvorstellungen auf Sicht nennenswert etwas ändern wird. Dazu wären dermaßen gravierende Umwälzungen in den Köpfen der dort Herrschenden notwendig, dass ich sie für unvorstellbar halte. Das dauert Jahrhunderte, wenn überhaupt (und nicht irgendwann auch hier die Scharia gilt).

  • Wäre doch mal ziemlich cool, wenn sämtliche Nationalspieler aller Nationen sich vor dem Turnier outen, die schwul sind.


    Die Popcornmaschine würde wohl nicht mehr außer Betrieb gehen...

    #17# - Für immer ------- Saison 2018/19: 40 Punkte um zu bleiben