Beiträge von Egon18Geye95Allofs

    Das Mitglied der Neuen Frankfurter Schule, der Erklärer des Unterschieds von Dativ und Akkusativ („m ist dicker als n“), der Verfasser der „Trilogie des laufenden Schwachsinns“ mit dem darin enthaltenen Werk „Vollidioten“, der Mitwirkende der Satiremagazine „pardon“ und „Titanic“ … kurz:


    Eckhard Henscheid

    wird heute 80 Jahre alt.

    Mein Ergebnis hinzugefügt:


    # Jene Partei, die ich am 26. September wieder mit zwei Kreuzchen bedenken werde, teilt sich den 1. Platz Promille-genau mit den Satirikern.


    # Den 10. von 10 Plätzen nehmen Herr Lindner und seine Freunde ein.


    Damit haben bei 35 abgegebenen Zustimmungen oder Ablehnungen der 38 Wahlaussagen mit 2 Doppel-Gewichtungen sowohl der Wahl-O-Mat [cum laude] als auch ich [rite] den Test bestanden.

    Jan Plewka gastiert am 11. November 2021 wieder im (fast ausverkauften) zakk mit seinem Programm „Jan Plewka singt Rio Reiser“. Er und seine begleitenden Musiker hatten am 7. Juli 2017 an gleicher Stelle gezeigt, was sie können, und einen bewegenden Abend gestaltet.


    Danke für das eingestellte Video.

    Hier wird neuerdings inflationär das Wörtchen "liefern" benutzt. Freut mich, dass Herr Gärtner dies auch in seiner Auswahl hat. Wenigstens einer, der liefert.


    liefern


    Der erwähnte STEFAN GÄRTNER schreibt in seinem ›Wörterbuch des Unmenschen‹ [2021] zu diesem Begriff und unserem zwiespältigen Verhalten als einerseits den Arbeitgeberkunden verpflichtetem liefernden Arbeitnehmer und andererseits als dem in der Freizeit-Rolle sich überlegen wähnenden Besteller mit Anspruch auf schnellste Belieferung durch dienstleistende Mitmenschen, diese oft zum Mindestlohn beschäftigt, Folgendes (Auszug):



    Ein Bezug zum Fußball ist damit also auch hergestellt.


    Wer sich für Zustandsbeschreibungen obiger Art und die Hinwendung zum neuen Realismus in Wirtschaft und Gesellschaft interessiert, findet weiteren pointierten und kapitalismuskritischen Lesestoff – diesen auch mal in kürzeren Sätzen dargeboten – u. a. beim Sozialpsychologen und ›Transformationsdesigner‹ HARALD WELZER: Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen. Frankfurt am Main 2019.



    125 Jahre BGB



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    Das nach 22-jähriger Vorarbeit am 18. August 1896 verkündete Bürgerliche Gesetzbuch beendete die Rechtzersplitterung in Deutschland. Auf der Basis des römischen Rechts und seiner Fortentwicklung fasste es die Rechtsentwicklung eines halben Jahrtausends zusammen. Es funktionierte in fünf Staatsreformen und Regimen: # im Kaiserreich # in der Weimarer Republik # im Nazireich # in der DDR (bis 1972) und # in der Bundesrepublik.


    Im Jahr 1898 wurde das BGB in Japan übernommen und 1930 in China, es beeinflusste die Gesetzgebung von Griechenland, Peru und Brasilien. Heute regelt es in 2583 Paragraphen »das Leben, Lieben und Wirtschaften des Menschen von der Wiege bis zur Bahre.« [Heribert Prantl, SZ] Ob es sich auch als eine Etappe auf dem Weg zu einem europäischen Zivilgesetzbuch erweist, wird sich in der Zukunft zeigen.

    Fake.

    Einstein hat’s gesagt.


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    … dem hier - sehr schön - auch Thomas Edisons Erfindung der Glühbirne, die Gleichung von Daniel Bernoulli zur Strömung und das äußere Erscheinungsbild von Isaac Newton zugeschrieben werden.


    Danke für dieses Beispiel mit der beabsichtigten Komposition nicht zueinander passender Elemente.


    Im Ernst: Zitate sollten auch in unserem Forum nach Möglichkeit geprüft, ggf. im zum Verständnis notwendigen Zusammenhang wiedergegeben und mit einer belastbaren (Primär-)Quellenangabe versehen werden.

    Afghanistan


    Im heutigen CHECKPOINT, dem werktäglichen Informationsbrief des Berliner TAGESSPIEGELS, hat dessen Chefredakteur Lorenz Maroldt in für ihn ungewohnt ernster Weise die aktuelle Situation der ehemaligen Ortskräfte der deutschen Bundeswehr und deren Ausreisehindernisse wie folgt kommentiert:



    »Was gerade in Afghanistan passiert, ist politisch ein Desaster und menschlich eine Schande:


    22.500 Liter Bier, Wein und Sekt schleppten die deutschen Soldaten unter dem Kommando von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrem Abzug nach Hause – aber Ihren afghanischen Helfern hinterließ die Bundesregierung einen Pflichtkurs in Berliner Bürokratie: Antragsberechtigt für die Einreise nach Deutschland war nur, wer


    + eine „individuelle Gefährdung“ nachweisen konnte (wie wäre es mit einem von den Taliban beglaubigter Eintrag in eine Todesliste?)


    + in den vergangenen zwei Jahren für die Bundeswehr tätig war (von insgesamt zwanzig)


    + nicht über ein Subunternehmen den deutschen Soldaten zu Diensten war (Outsourcing in seiner perfidesten Form)


    + nicht für die deutsche Entwicklungshilfe oder andere Organisationen tätig war (gilt der Bundesregierung offenbar als „Gedöns“).


    Aber auch wer das alles belegten konnte, hatte es noch längst nicht geschafft: Die Flugtickets für sich und ihre Familien sollten die Helfer gefälligst selbst bezahlen – doch dafür reichte es bei vielen nicht. [...]«


    *****



    Zur gegenwärtigen Situation werden vermutlich noch allerlei Erklärungen und Verantwortungszuweisungen zu hören und zu lesen sein. Davon unabhängig und allein das jetzige Ergebnis betrachtend, halte ich dieses für ein unrühmliches und hoffe auf ein schnelles Handeln unserer Bundesregierung im Rahmen ihrer Möglichkeiten, um im Geiste der Humanität ihrer Verantwortung nach Kräften nachzukommen – denn:


    Alle Formen moralischer Gebote lassen sich zurückführen auf die eine Pflicht:

    den Anderen nicht im Stich zu lassen.

    Zitat

    Traurig, dass heutzutage überhaupt noch so ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert wie das Streikrecht benutzt wird.

    Im 21. Jahrhundert sollte es anders möglich sein, faire Lohnerhöhungen zu bekommen. Z. B. gekoppelt an Preissteigerungen oder was auch immer. [...]


    Wenn man's bedenkt:

    Sind nicht überhaupt alle unsere im Grundgesetz verbürgten Grundrechte heutzutage Relikte aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, deren allfällige traurige Inanspruchnahme zuweilen Unbequemlichkeiten für Unbeteiligte bereiten können? Im 21. Jahrhundert sollte es anders möglich sein, die mit den Grundrechten verfolgten Ziele zu erreichen, zum Beispiel [Platzhalter] oder was auch immer …


    __________

    Die Absurdität meines Beitrages übersteigt die des zitierten Beitrages nur unwesentlich – siehe auch:


    »Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

    Art 9

    (1) Alle Deutschen haben das Recht, Vereine und Gesellschaften zu bilden.

    (2) Vereinigungen, deren Zwecke oder deren Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder die sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten, sind verboten.

    (3) Das Recht, zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden, ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Abreden, die dieses Recht einschränken oder zu behindern suchen, sind nichtig, hierauf gerichtete Maßnahmen sind rechtswidrig. Maßnahmen nach den Artikeln 12a, 35 Abs. 2 und 3, Artikel 87a Abs. 4 und Artikel 91 dürfen sich nicht gegen Arbeitskämpfe richten, die zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen von Vereinigungen im Sinne des Satzes 1 geführt werden.«



    Dem zuverlässigen und fleißigen Mann aus Flingern zum Ausdruck des Dankes einmal assistierend:


    Barack Obama (geb. 04.08. 1961) ist heute 60 Jahre alt geworden.


    Louis Armstrong (geb. 04.08.1901) wurde heute vor 120 Jahren geboren.


    Louis Vuitton (geb. 04.08.1821) wurde heute vor 200 Jahren geboren.


    Auf Herrn Silbereisens heutigen runden Geburtstag mag eingehen, wer will.



    Keine Gegenrede, sondern eine versuchte ›Vertiefung‹ …


    Der Unterschied, der den Unterschied ausmacht, findet sich in der genannten Einschränkung: »nebenher und nachrangig«. Faktisch wird in einem Profifußballverein wie unserer Fortuna ein wirtschaftlicher Geschäftsbetrieb unterhalten, auch wenn er hier (noch) nicht in einer rechtlich eigenen ›planvoll organisierten Wirtschaftseinheit‹ vollzogen wird, ›in der Sachgüter und Dienstleistungen erstellt und abgesetzt werden[Definition nach GÜNTER WÖHE, verstorbener BWL-›Papst‹]. So schätzen es auch 73,7 Prozent der Befragten in einer hier veröffentlichten Umfrage aus dem Jahr 2020 ein, wenn sie die Aussage »Fußballunternehmen sind heutzutage mehr ein Wirtschaftsunternehmen als nur ein Verein« bejahen.

    Quelle: https://de.statista.com/statis…ternehmen-in-deutschland/


    Die reinen Profifußballvereine bauen weiterhin darauf, dass ihre mögliche Rechtsformverfehlung weiterhin aus sportpolitischen Gründen von den politischen Entscheidungsträgern toleriert wird, und verweisen auf ihre Gemeinnützigkeit. So nutzen diese professionalisierten Sportorganisationen die Rechtsform des Vereins und dadurch das steuerliche Nebenzweckprivileg, wiewohl sie nicht für eine intensive Teilnahme am Wirtschaftsverkehr konzipiert sind. Eine weitere Folge, die wir gerade in unserem Verein auf und zwischen den Mitgliederversammlungen erleben: Der Verein unterliegt nicht den dem Schutz anderer Marktteilnehmer dienenden Rechnungslegungspflichten (und die Mitglieder erfahren höchstens das Nötigste).


    So sehr wir als Fortunen, jedenfalls in der Forums-Mehrheit, eine Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung in eine Kapitalgesellschaft ablehnen, kommen wir doch nicht umhin zur Kenntnis zu nehmen, dass sich unser Verein hauptsächlich auf den wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb konzentriert – mit dem latenten Risiko einer Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Diese Debatte ist auch noch nicht abgeschlossen.


    In diesem Lichte hatte ich nur in einer Nebenbemerkung und eher karikierend auf typische Unternehmeraussagen im Falle wirtschaftlichen Erfolgs und Misserfolgs hingewiesen. Auf die Zuerkennung einer rechtlichen Unternehmereigenschaft will ich dabei nicht beharren. Eine faktische, mit der ich meinen Seitenhieb im ersten Beitrag rechtfertigen möchte, sehe ich da schon.


    Nicht zuletzt: Der Berichtigung, wer denn bei uns einen jeden Erfolg als vornehmlich eigene Leistung beanspruchen wollte (der Vorstand) und wem von diesem ein etwaiger Misserfolg anzulasten wäre (dem Trainer), schließe ich mich ›vollumfänglich‹ an.



    Dieser Beitrag möge nicht als etwaige Befürwortung einer – hoffentlich auch in Zukunft – bei uns ausgeschlossenen Ausgliederung missdeutet werden. Es geht mir nur eine versuchte Vertiefung von Beobachtbarem. Der Beitrag mag vom diensthabenden Moderator gern verschoben werden.

    Fortuna ist Arbeitgeber, aber kein Unternehmer!!

    Den Erfolg verbucht der Vorstand, den Misserfolg trägt der Trainer.


    Der Arbeitnehmerstatus des Berufs-Fußballspielers und damit die Unmöglichkeit einer Abwälzung des Betriebsrisikos auf ihn durch Variabilisierung des Fixgehaltes besteht unabhängig vom für seinen Vertragspartner in dieser Diskussion gewählten Begriff ›Arbeitgeber‹ oder ›Unternehmer‹.


    Für die neben der zweifellos bestehenden Arbeitgebereigenschaft ebenfalls bestehende Unternehmereigenschaft unserer Fortuna spricht aus meiner Sicht:


    »Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) | § 14 Unternehmer


    (1) Unternehmer ist eine natürliche oder juristische Person oder eine rechtsfähige Personengesellschaft, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt.«


    Am Rande: Unsere Fortuna verwendet in ihren ATGB in für sie atypischer Offenheit mehrfach und ehrlich den ungeschönten Begriff ›Kunde‹, wenngleich wir das vielleicht nicht so gerne lesen mögen.

    Ich halte es mittlerweile für alternativlos, dass Spielerverträge Klauseln enthalten, dass sich eine negative Umsatzentwicklung entsprechend negativ auf deren Fixgehalt auswirkt. Und diese Klauseln sollten bei allen Vereinen gleich sein und nicht verhandelbar!


    Berufsfußballspieler sind Arbeitnehmer. Das Betriebsrisiko trägt der Arbeitgeber. Die Abwälzung des Betriebsrisikos vom Arbeitgeber auf seine weisungsgebundenen Arbeitnehmer sehen Gesetzgeber und Rechtsprechung der Arbeitsgerichte nicht vor. Auch für Berufssportler gibt es da keine Sonderregelungen. Eine ›Abwälzungsklausel‹, die sich – wie vorgeschlagen – gar noch aufs Fixgehalt (= Grundgehalt) bezöge, wäre somit allemal unwirksam.


    Die Verantwortung für den unternehmerischen Erfolg bleibt beim Unternehmer (der sich bei einem positiven Ergebnis gerne feiern lässt – und bei einem negativen oftmals die äußeren Umstände bemühen möchte). Dorthin gehört sie auch.

    … Beschwerdeführer • Reiseführer • Bergführer • Flugzeugführer• Zugführer• Aufzugführer • Sprachführer • Buchführer • Karteiführer • Lokführer • Spielführer • Fahrstuhlführer, • Protokollführer • Anführer • Kranführer • Fremdenführer • Blindenführer • Wagenführer • Kraftwagenführer • Pferdeführer • Gruppenführer • Kassenführer • Listenführer • Registerführer • Baggerführer • Verführer • Vorführer • Rechnungsführer • Rädelsführer • Museumsführer • Oppositionsführer • Geschäftsführer • Mannschaftsführer • Bootsführer • Ausführer • Schriftführer • Frachtführer • Entführer • Transportführer • Bauführer • Wortführer • Brautführer …




    Die vom Sprecher gewählten Begriffe geben ihm oft genug Gelegenheit, seiner gesellschaftspolitischen Haltung Ausdruck zu geben. Das setzt voraus, dass Sprecher und Angesprochener den Signalcharakter solcher ›Signalwörter‹ verstehen und gleichermaßen verwenden. Die Liste mit Signalwörtern scheint jedoch lang und länger zu werden – und die überaus korrekte Verwendung an Stelle näherliegender und treffenderer Wörter, oft aus Unsicherheit resultierend, kann dann nicht selten langweilen.


    Nun war hier die Frage aufgeworfen worden, inwieweit heute noch von einem ›(Gruppen-)Führer‹ gesprochen werden mag, ohne Anstoß zu erregen. Ein Hinweis auf die Verwendung in Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, straffer Führungsstruktur und Befehlsketten wurde bereits gegeben (Bundeswehr, Polizei, THW, Hilfsorganisationen ...). Doch warum bereitet der Begriff ›-führer‹ vielen von uns ein Unbehagen oder zumindest eine Verunsicherung?


    Das Verb ›führen‹ ist aus dem seit dem 8. Jahrhundert belegten Verb ›fahren‹ abgeleitet, dieses im Sinne von ›veranlassen, dass sich etwas bewegt‹. Damit wäre doch die Aufgabe von Verantwortungsträgern in Wirtschaft und Arbeitswelt treffend bezeichnet. Es ist noch nicht lange her, da strebten junge, ehrgeizige Erwerbstätige danach, möglichst bald ›Führungskraft‹ zu werden, ›Führungskräfte‹-Fortbildungen zu absolvieren und ihnen anvertraute Mitarbeiter zu ›führen‹: Schon bald maßen sie einer zu gewöhnlich klingenden ›Berufslaufbahn‹ eine beamtenhafte Konnotation bei und wollten folglich ›Karriere‹ machen – ein Begriff der vormalig eher Stars und Sternchen aus dem Unterhaltungsgewerbe vorbehalten war.


    Doch im Zuge einer erhöhten Sprachsensibilität bei gleichzeitig abnehmenden Kenntnissen von Wortherkunft und -bedeutung waren plötzlich auch die Begriffe aus dem Wortfeld ›Führer‹ verpönt. Ein aktueller Blick auf die Titel, Themen und Begriffe der Ratgeber-Literatur zeigt das ebenso wie Heldentaten-Berichte in der Wirtschaftspresse: Nunmehr haben wir es also vor allem mit ›Leadern‹ zu tun, von denen folglich höchste Künste an ›Leadership‹ erwartet werden. Aha. Das soll also der Ausweg sein – einen präzisen, jedoch von Teilen der Sprachgemeinschaft als negativ konnotiert angesehenen, Begriff einfach durch einen englischsprachigen zu ersetzen?


    Wer dies aus Taktgründen möchte, sei daran beim eigenen Sprachgebrauch nicht gehindert. Doch man verlange dies bitte nicht auch vom Gegenüber. Eine Überfülle an Sprechverboten ist geistlos.


    So sollte es genügen, die wirklich ›verbrannten Wörter‹, ihre Geschichte und die Gründe ihrer Tabuisierung zu kennen. Orientierung gibt z. B. der Journalist, Historiker und Linguist Matthias Heine in seiner Betrachtung von über 80 Begriffen, die teils in diese Schublade gehören – und teils ausdrücklich begründet nicht. Der Begriff ›Führer‹ (jenseits einer ehedem und vorübergegangenen absoluten Verwendung als nomen proprium) gehört aus seiner (und meiner) Sicht weiterhin zu den unverfänglichen.


    MATTHIAS HEINE: Verbrannte Wörter. Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht. Dudenverlag, Berlin 2019.



    __________

    Auch in diesen einschlägigen Publikationen finden sich keine Empfehlungen zur Tabuisierung des Begriffes ›Führer‹ jenseits seiner absoluten Verwendung:

    Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin 1998

    • Thorsten Eitz, Georg Stötzel: Wörterbuch der ›Vergangenheitsbewältigung‹. Die NS-Vergangenheit im öffentlichen Sprachgebrauch. Hildesheim 2007

    • Gerhard Strauß, Ulrike Haß, Gisela Harras: Brisante Wörter von Agitation bis Zeitgeist. Ein Lexikon zum öffentlichen Sprachgebrauch. Berlin 1988


    Wortschatz entschlacken – eine Daueraufgabe


    »Wissen Sie, ich halte das nicht mehr aus. Es ist unerträglich.

    Ich kanns mir nicht mehr anhören.

    Dieses ständige Geschwätz. Entsetzlich.«

    Rudi Löhlein in Polt/Müller, ›Leberkäs Hawaii II‹



    Mit diesem Gerhard-Polt-Zitat leitet der Eckhard-Henscheid-Kenner und ehemalige Titanic-Autor STEFAN GÄRTNER seine kürzlich veröffentlichten Sprachbetrachtungen ein, die auch als Ideologiekritik verstanden werden können. In seinen geistreichen sprachkritischen Sticheleien schreibt er gegen die übelsten Torheiten unverdrossen an. So urteilt der Rezensent der Frankfurter Allgemeine Zeitung, und er fährt fort:


    »Gärtner, ehemaliger Titanic-Redakteur, jetzt Kolumnist in linken Organen und in seiner sensiblen Schärfe sowie Treff- und Geschmackssicherheit einer der zustimmungsfähigsten Autoren unserer Zeit, hat gegen eben diese allerhand auf dem Herzen und ist nicht gerade das, was man ›systemkonform‹ nennen könnte. Trittsicher, aber konsequent nur nach oben, gegen die meinungs- und bewusstseinsbildende Klasse, analysiert er auf dem Fundament des dialektischen Materialismus und mit Goethe, Schopenhauer, Nietzsche, Karl Kraus, Adorno und Henscheid auf Tuchfühlung den Sprachgebrauch, der ihm in nahezu allen gesellschaftlichen Bereichen so unterkommt. Dabei macht er, ganz ohne Erbsenzählerei, reichliche Beute.« (Edo Reents , FAZ, 22.07.2021)


    Hier eine Auswahl von übermäßig und häufig gedankenlos gebrauchten Wörtern und Wendungen, die im ›Wörterbuch des modernen Unmenschen‹ aufs Korn genommen werden:


    Die Mitwirkenden im ›Aktuellen Wortstudio‹ nahmen sich ja bereits der Kritik an so manchen Phrasen aus Management, Werbung und weiteren Soziolekten an. Der Untersuchungsstoff geht uns nicht aus. Vielleicht gehört zur Pflege des eigenen Wortschatzes folglich nicht nur dessen im Deutschunterricht angeregte stete Erweiterung, sondern auch lebenslang die bewusste Streichung gewisser Modewörter. Dabei hilft:


    STEFAN GÄRTNER: Terrorsprache. Aus dem Wörterbuch des modernen Unmenschen. Berlin 2021. Edition Tiamat, Critica Diabolis 289. 144 Seiten, br., 14,- EUR | Eine 20-seitige Leseprobe gibt es hier: https://edition-tiamat.de/wp-c…ache-Buch-seiten-1-20.pdf

    Das ist ein wohlfeiles Nichts für leicht beeindruckbare Leser - mehr nicht:


    Die Lippen gespitzt …

    … Aufmerksamkeit erheischt …

    … leicht durchschaubar im Ungefähren geblieben …

    … Pflichtübung (äußerst mäßig) erfüllt …

    … ein jeder Rezipient darf nun herausgreifen, was er gerade möchte …

    und das Pfeifen mutlos unterlassen.


    So geht also Kommunikation, wenn man die Marketing-Bewegten daran lässt.


    ... mMn hat Lenin mit Religion ist Opium fürs Volk ...

    Marx, nicht Lenin.



    »Religion ist das Opium des Volks«, schrieb der Nationalökonom KARL MARX in der Einleitung seiner Veröffentlichung aus dem Jahr1844 ›Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie‹. Auch LENIN, der 1905 in ›Sozialismus und Religion‹ auf diese Aussage zurückgriff, verwendete sie – entgegen mancher gegenteiligen Angabe – im Original nach Marx. Für die heute geläufige Variation (›... für das Volk‹) ist hingegen kein Urheber belegt.


    Hier der Marx'sche Text im Zusammenhang: