Die Forderung in Zeiten, in denen es nicht läuft, doch bitte umgehend Spieler aus der Zwoten oder aus der Jugend spielen zu lassen, begleitet mich schon mein ganzes Fortuna-Leben lang. Von den 26 Trainern, die ich aktiv erlebt habe, kam allerdings keiner auf die Idee.
Frage an diejenigen, die Obiges fordern: Wen konkret aus der Zwoten - die in den letzten sieben Spielen in der Regionalliga einen einzigen Sieg geholt hat - oder aus der A-Jugend würdet Ihr für wen aufstellen? Wer verfügt über die nötigen spielerischen, aber auch mentalen Fähigkeiten, unsere Truppe weiterzubringen? Und: Gilt der Zwei-Klassen-Unterschied, auf den in der ersten Pokalrunde so gerne verwiesen wird, im eigenen Verein nicht?
Die Vorstellung, die "Jungen Wilden" würden alles besser machen, ist ein ähnlicher Mythos wie der, dass ehemalige Spieler immer gegen uns treffen oder der, dass wir allein sämtliches Verletzungspech dieser Welt gepachtet hätten. Oder wie der, dass ein Trainerwechsel umgehend Erfolg bringt
.
Da bin ich nicht ganz einverstanden mit der Meinung.
Es bringt nichts immer zu sagen das bringt nichts und daß bringt nichts..
Das ist mir zu oberflächlich..
Aber selber keine Ideen.
Wie wäre dann dein konkreter Vorschlag aus der Krise rauszukommen???
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Ich habe lediglich meine unmaßgebliche Ansicht zu einer hier im Forum wiederholt aufkommenden Forderung wiedergegeben, junger Jedi, und nicht den Anspruch, Lösungen für die sportliche Gesamtproblematik anbieten zu können. Dennoch will ich einige Gedanken mit Dir teilen, in der Hoffnung, Deinem Wunsch nach mehr Tiefgründigkeit ein wenig gerecht zu werden. In aller gebotenen Kürze.
Unserer Mannschaft mangelt es in meinen Augen in erster Linie an defensiver Kompaktheit, einem klaren Spielsystem, Eingespieltheit und Selbstbewusstsein. Ich würde konsequent mit Viererkette spielen, und zwar in immer derselben Besetzung, soweit die Verletzungsmisere das zulässt. Ein eindeutiges System muss implementiert werden, mit klarer Rollenverteilung und nach Möglichkeit in immer derselben Startbesetzung. Hier gehört ein Muslija auf jeden Fall auf den Platz, in der Rolle des Spielgestalters, nicht als Außenspieler, und ein Rasmussen mit seinen fußballerischen Fähigkeiten sowieso. Auch ein El Azzouzi als Sechser sollte gesetzt sein. Die unter Daniel Thioune üblichen System- und Aufstellungswechsel scheinen die aktuelle wie auch die letztjährige Mannschaft zu überfordern. Laufwege und Automatismen müssen einstudiert werden und den Spielern in Fleisch und Blut übergehen.
Der schwierigste Punkt ist die Psyche der Mannschaft, und das angeschlagene Selbstbewusstein. Hier helfen nur Erfolgserlebnisse in Form von Siegen. Allerdings muss auch in die Köpfe der Spieler, dass sie nur im Kollektiv und mit der Bereitschaft, auch dahin zu gehen, wo es weh tut und auch mal ein paar Extrameter mehr zu machen, erfolgreich sein können. Das ist das, was der Kollege lattenknaller Bauwagen-Mentalität nennen würde
. Dass die Truppe in der Lage ist, kämpferisch und als Einheit aufzutreten, hat sie in Bochum bewiesen.
Das alles sind keine neuen Erkenntnisse, zum Teil auch Binsenweisheiten, und alle Punkte sind hier im Forum schon des Öfteren und seit Längerem angesprochen worden. Und das ist für mich das größte Rätsel. Warum ist es seit fast anderthalb Jahren so schwierig, diese grundlegenden Dinge umzusetzen? Ich kann nur auf unser neues Trainerteam hoffen, sowie darauf, dass es einen entsprechenden Zugang zur Mannschaft findet. Und darauf, dass andere Trainingsansätze und eine andere Ansprache Wirkung zeigen. Am besten direkt am Samstag gegen Hertha. Es ist mit unserem Kader möglich, trotz aller Verletzten.
Unsere Mannschaft gibt für mein Empfinden so viel her, muss allerdings im Grunde genommen mit den Basics ganz von vorn anfangen. Vermutlich benötigt sie daher noch einige Zeit - die wir eingentlich nicht haben -, um ihr Potenzial abzurufen. Vorhanden ist es in meinen Augen jedoch absolut.